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Ein Blick auf das aktuelle Weltgeschehen erfüllt viele von uns mit Sorge: Kriege, religiöse Verfolgung, Unterdrückung von Andersdenkenden – und in der Folge Massenflucht aus Krisenregionen. Gewiss, all das ist nicht neu. Doch lange konnten wir uns mit dem Gedanken trösten: „Das ist weit weg – bei uns passiert so etwas nicht.“ Spätestens seit dem Krieg in Europa und der globalen wirtschaftlichen Verflechtung ist diese Illusion verflogen. Die Probleme stehen längst vor unserer Haustür.
Einwanderung, wirtschaftliche Unsicherheiten, Energiekrise, soziale Spannungen und die wachsende Angst vor Armut belasten zunehmend das zwischenmenschliche Klima in unserer Gesellschaft und prägen den gesellschaftlichen Diskurs. Was mich dabei besonders beunruhigt, ist die wachsende Spaltung: In den sozialen Medien machen sich Neid, Missgunst und Aggression breit. Immer häufiger stehen der Einzelne und seine Bedürfnisse im Vordergrund und nicht das Gemeinwohl. Eine „Me-first-Mentalität“ scheint zunehmend den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu verdrängen. Empathie und Solidarität – tragende Säulen einer humanen Gesellschaft – verlieren zunehmend an Wert.
Gerade für Menschen mit Krankheit oder Behinderung hat das spürbare Konsequenzen. Ihre Bedürfnisse rücken angesichts anderer gesellschaftspolitischer Krisen in den Hintergrund. In politischen Debatten dominieren derzeit Themen wie die Verwendung der Bundes-Sondervermögen: Investitionen in die Industrie, Bildung und Schulen, die Bundeswehr und die allgemeine Infrastruktur sind ohne Zweifel wichtige Felder. Doch behindertenpolitische Aspekte finden kaum noch Beachtung in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Ein zusätzliches Signal der Verunsicherung kommt von den Krankenkassen. Jüngstes Beispiel: Obwohl bereits im März beschlossen, wird die beschleunigte Genehmigung von Hilfsmittelverordnungen durch Fachärztinnen und Fachärzte aus sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) und medizinischen Zentren für Menschen mit Behinderungen (MZEB) von vielen Krankenkassen nicht umgesetzt. Wo bleibt der oft angekündigte Abbau der Bürokratie? Es ist höchste Zeit, sich wieder auf die grundlegenden Werte zu besinnen, die unser gesellschaftliches Miteinander ausmachen.
Denn Krankheit und Behinderung können jeden und jede von uns treffen – jederzeit. Die Themen, die derzeit in den Hintergrund gedrängt werden, könnten eines Tages uns selbst betreffen. Lasst uns daher die Werte von Solidarität und Empathie wieder in den Vordergrund stellen und uns für eine inklusive Gesellschaft starkmachen.
