Fehlende stationäre Pflegeplätze stellen Einrichtungen der Frührehabilitation und ihre Patienten vor große Probleme

Kliniken, die Frührehabilitation der Phase B anbieten, leiden massiv unter dem zunehmenden Mangel an stationären Pflegeplätzen. Einer aktuellen internen Erhebung der m&i-Klinikgruppe Enzensberg zufolge musste das Entlassmanagement der sechs angeschlossenen Fachkliniken mit Abteilungen für Frührehabilitation von Januar bis Ende März 2024 bis zu 176 Pflegeeinrichtungen kontaktieren, um Patientinnen und Patienten (die zuvor nicht in einem Pflegeheim untergebracht waren) in eine adäquate Anschlussversorgung überführen zu können.

Kliniken zur neurologischen Frührehabilitation (Phase B) nehmen schwerstverletzte/-erkrankte oder polytraumatisierte Patientinnen und Patienten direkt nach dem Abschluss der Akutversorgung auf. In diesem Stadium weisen die Betroffenen in aller Regel noch schwere Funktionseinschränkungen auf und benötigen eine intensive Versorgung und Betreuung. Ziel der Frühreha ist es, eine körperliche und seelische Stabilisierung sowie eine frühzeitige Mobilisierung zu erreichen, um dauerhafte Spätfolgen möglichst zu minimieren. Die behandelnden Kliniken sind gesetzlich verpflichtet, den Patienten und Patientinnen nach Abschluss der Behandlung den Übergang in eine geeignete Anschlussversorgung zu gewährleisten. Hier tut sich jedoch ein Problem auf.

„Unsere interne Erhebung drehte sich um Patientinnen und Patienten, für die nach Abschluss der Frühreha der Phase B ein stationärer Pflegeplatz gesucht werden musste“, erläutert Veronika Diepolder, Mitglied der Geschäftsleitung der m&iKlinikgruppe Enzensberg und Vorstandsmitglied des VPKA Bayern. „In insgesamt 92 Fällen mussten die Sozialdienste der Kliniken gemeinsam mit den Angehörigen durchschnittlich bei 37 Einrichtungen anfragen, ehe ein adäquater Platz gefunden wurde. Negativspitzenreiter war eine Klinik, die für die Unterbringung eines Patienten 176 Pflegeeinrichtungen abtelefonieren musste. Besonders schwierig ist es bei Patienten und Patientinnen, die einen Krankenhauskeim haben.“ Eine große Versorgungslücke klaffe auch bei speziellen Nachsorgeeinrichtungen für jüngere Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen. Diese Patienten und Patientinnen müssten unter Umständen mit Mitte 30 in einem Pflegeheim untergebracht werden.

Die Lage sei so angespannt, dass die betreffenden Kliniken ihre Suche auf das gesamte Bundesgebiet ausweiten mussten. „Wohnortnahe oder regionale Pflegeplätze sind in der gebotenen Kürze der Zeit oft nicht zu finden – eine sehr schwierige Situation für Patienten, Patientinnen und ihre Angehörigen.“

Zwischen der ersten Anfrage bei einer Pflegeeinrichtung bis zur endgültigen Verlegung vergingen im Durchschnitt 26 Tage. „Im Extremfall waren es 197 Tage, also mehr als ein halbes Jahr. Das ist nicht nur aus menschlicher Sicht extrem belastend, sondern stellt die Kliniken auch vor ein finanzielles Problem“, so Veronika Diepolder weiter. „Denn wenn keine akutstationäre Behandlungsbedürftigkeit mehr gegeben ist, wird den Häusern die Vergütung für die Versorgung dieser Patienten gestrichen. Das heißt, sie können nicht nur den Platz nicht neu belegen, sondern bleiben überdies auf den Kosten sitzen.“

Veronika Diepolder nennt die Zustände „zunehmend untragbar““ für alle Beteiligten. „Grund für die Misere ist, dass stationäre Pflegeheime ihre Plätze aufgrund des Pflegenotstands reduzieren müssen. Dieser Mangel an stationären Pflegeplätze darf aber nicht auf dem Rücken der schwerstbetroffenen Patienten und der Frührehakliniken ausgetragen werden.“

 

 

Foto: Gianna Reil

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